Gigaset GS370

Das Gigaset GS370 plus: Ein bißchen was aus der Heimat

Als die Chance auf mich zukam, mal ein Gerät zu testen, was sich mit der für mich heimisch anmutenden Phrase “Made in Bocholt”, ziert konnte ich es schon fast nicht abwarten. Nachdem das Testgerät direkt von Gigaset dann eingetroffen war, konnte ich mich direkt ans Werk machen und möchte nun nachfolgend kurz meine Eindrücke schildern. Da die Geräte an sich – zumindest was die technische und ausstattungsseitige Komponente angeht – am schon sehr ausführlich beschrieben wurden, will ich mich hier meinen eher persönlichen Eindrücken widmen und das Ganze zumindest anfangs nicht ganz so technisch angehen.

Haptik/Optik: Wie ist das “Look-and-Feel” unseres Bocholter Smartphones?

Begrüßt wird man hier von einem zweimal eingepackten, rahmenlosem Gigaset in der Farbe schwarz, das von der reinen Optik jetzt erst einmal nicht an ein typisches Gerät dieser Preisklasse erinnert. Eingepackt ist das schwarze Schmuckstück in einem weiß/orangen Karton, in dem es durchaus sicher verpackt ist. Von einem Hingucker oder einer aufwändigen, besonders auf Ästhetik bedachten Verpackung kann hier zwar nicht die Rede sein, aber sie erfüllt ihren Zweck:

Sobald man das oben liegende Handy aus der Verpackung in die eigenen Hände befördert hat, hält man ein recht schmuckes schwarzes Gerät in den Händen, welches mich vom Displayformat und genereller Optik – zumindest von vorne – etwas an die Linie erinnert, die Samsung aktuell auch fährt. Zwar ist Samsung da schon länger nicht mehr alleine mit unterwegs, aber der Vergleich drängte sich mir doch direkt nahe zu auf.

Das Displayglas ist an den Ecken auch ein wenig abgerundet, was sowohl optisch als auch haptisch eindeutig einen Mehrwert bietet. Etwas mehr Abrundung hätte da meiner Meinung nach –  gerade bei einem flüchtigen, vergleichenden Blick auf meinen derzeitigen Begleiter HTC U11 – keineswegs geschadet. Dies ist aber wahrscheinlich auch Geschmacks-und vor allem Gewöhnungssache.

Sobald wir das gute Stück umdrehen begrüßt uns ein mattes, schwarzes Aluminiumkleid, das sich nahtlos an den Rändern hoch zum Display schmiegt. Im oberen und unteren Achtel finden sich die Antennenstreifen, die seit des Designs des HTC M7 in der Art ja in vielen Smartphones Einzug gefunden haben. Das ist meiner Meinung nach auch keinesfalls schlecht. Ein wenig erinnert mich der Rücken des GS37 plus auch an einige Smartphones von HTC wie etwa das A9 – aber so sind die heutigen Zeiten, die Optik der einzelnen Geräte hat seltenst noch eigene Alleinstellungsmerkmale.

Gigaset GS370

Hier fährt Gigaset einen anderen Weg, als wir es von vielen aktuellen Flagschiffen gewohnt sind. Bei diesen setzt sich nämlich immer mehr der Trend zu einem Glasrücken durch. Welche Option hier besser ist, ist eine Entscheidung, die jeder für sich treffen muss. Das einzige, was mich an dem Design jedoch wirklich stört, ist der etwas pinke, angeraute Knopf an der Seite des Gerätes. Ein schlichtes Schwarz/Grau/Silber hätte dort meiner Meinung nach deutlich besser herein gepasst. Abschließend neige ich aber schon dazu zu sagen, dass Optik und Haptik zwar keinesfalls auffällig geschweige denn herausragend sind, aber in Anbetracht der Preispolitik und Zielgruppe die Erwartungen mehr als erfüllen sollte.

Wenn wir jetzt einen tieferen Blick in die Verpackung werfen, werden wir von einem Micro-USB-Kabel und entsprechendem Ladegerät und einem In-Ear-Headset begrüßt. Das Ladegerät erfüllt soweit seinen Zweck und dort gibt es weiter nichts auszusetzen, zumal es dank Schnellladetechnik (5 Volt, 2 Ampere) den Akku recht schnell wieder auflädt. Bei dem Headset muss ich allerdings sagen, dass ich mir mehr gewünscht hätte – klar reden wir hier nicht von einem Flaggschiff, wo die diversen Marktbegleiter mittlerweile wirklich brauchbare Kopfhörer dazulegen. Ein wenig mehr Wert auf Ästhetik sowohl im Punkto Klang als auch im Punkt Haptik/Optik hätte dort meiner Meinung nach wirklich gut getan. Die Kehrseite: Bei der angesetzten unverbindlichen Preisempfehlung darf man das vielleicht auch nicht zwingend erwarten.

Fazit hier: Bei dem Zubehör merkt man abschließend also zweifelsohne, dass der Fokus auf die Funktionalität gelegt wurde!

Ab ans Eingemachte: Was kann das Ding?

Eine positive und eine negative Sache fällt direkt schon bei der äußeren Betrachtung des Gerätes auf: Auch wenn lobenswerterweise dort immer noch auf den Klinkeanschluss gesetzt wird – was mich als “Viel-unterwegs-Hörer“ und “Möchtegernhobbyaudiophilien“ auch durchaus glücklich stimmt, nur kann ich nicht verstehen, warum hier zusätzlich nicht noch auf USB-C anstelle des veralteten Micro USB-Anschlusses gesetzt wird. Das war – wie wohl auch das fehlende NFC – wohl eine strategische Entscheidung, wäre bei einem Smartphone von Ende 2017 hier eindeutig die bessere und zukunftsweisendere Wahl gewesen.

Bei dieser Gelegenheit will ich mich auch direkt mal in meiner Kernkompetenz austoben. Wie schon kurz angeschnitten liebe ich alles, was mir multimedial aus Membranen entgegenschallt und möchte dementsprechend hier auch kurz auf den Klang eingehen. Und dies sowohl im Bereich der Klangqualität in Gesprächen als auch beim Befeuern seiner Bluetooth-Boxen/Kopfhörer oder seiner klassischen Klinken-Kollegen mit dem guten Gigaset. Als Testgeräte stehen mir hier ein Bose Soundlink Mini, der V-Moda M-100, Bang und Olufsen H6, das Bose SoundSport, der Harman Kardon Go+Play III und das ein oder andere Auto zur Verfügung, wo ich mich via Bluetooth mit dem Smartphone verbunden habe.

GS370_GS370plus_Headset_02

Hier bleibt allerdings leider nicht viel Positives zu sagen: Es kann zwar sein, dass es sich um einen unglücklichen Einzelfall handelt, dennoch wird bei mir das Hörerlebnis permanent von einem Surren oder Knistern begleitet. Dies läßt ein wenig den Eindruck aufkommen, dass da etwas mit der Abschirmung nicht stimmt. Zwar kommt dies nur bei leiseren Stellen wirklich zum Tragen, ist in meinen Augen aber eindeutig ein großer Minuspunkt, wenn man sein Handy auch unterwegs oder einfach nur so zuhause als Musikquelle nutzen will. Eigentlich schade, denn ansonsten wäre ich nämlich geneigt gewesen, das generelle Klangbild für die Preisklasse “in Ordnung” zu nennen. Der Dealbreaker für Audiophile sind – sofern wir hier kein Montags-Testgerät bekommen haben – hier also eben diese sonderbaren Begleiterscheinungen im Ohr!

Wie sieht es sonst so mit der Ausstattung aus?

Im Prinzip hat man hier genau das an Ausstattung, was man von Handys dieser Bauweise erwartet. Einen fixen Fingerabdrucksensor auf dem Rücken, die drei Android-typischen Tasten Zurück, Home und Multitasking, die sich nach Bedarf auf dem Monitor anzeigen lassen, zwei getrennte Tasten für einmal lauter und einmal leiser und kurz drunter den An/Aus-Knopf. Unten links und rechts neben dem mittig platziertem Micro USB-Anschluss befinden sich die Lautsprecher und auf der Rückseite erblickt uns dann eine Kamera, die uns mit zwei Linsen anschaut. Die dritte Kamera im Bunde finden dann auf der Front und zwar direkt neben einem Feature, was zwar recht verbreitet ist – aber auch umso praktisch und von mir persönlich sehr geliebt: Die Status-LED. Unerwähnt bleiben sollten aber auch nicht, dass das Gigaset sowohl die Möglichkeit zwei SIM-Karten als auch eine Micro-SD Funktionalität mitbringt.

GS370 alle Karten

Riskieren wir einen Blick: Das Display

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir das Display nicht so gut gefällt – dies mag daran liegen, dass ich einfach was anderes gewohnt bin, aber zumindest hatte ich bei diesem Gerät das Gefühl, dass es schnell Schlieren gezogen hat: Zumindest bei schnellen Bewegungen, wie dem Herunterziehen der Notification-Bar oder im Menü. Dieser Effekt wurde im Laufe des Tests durch ein neues Update aber “entschärft” respektive behoben. Außerdem bin ich nicht so ein Fan der Farbwiedergabe – alles natürlich subjektiv gesehen, aber ich muss ehrlich sagen, dass ich mich auch nach stetiger Benutzung nicht wirklich dran gewöhnen konnte. Störend fand ich auch den teilweise recht starken Treppeneffekt.

Des Weiteren lässt sich gerade bei höherer Helligkeit oft die Matrix im Hintergrund erkennen und man wird permanent von dem Gefühl begleitet, dass irgendwas nicht ganz scharf ist. Was Helligkeit und Blickwinkelstabilität angeht, kann man hier aber definitiv nichts Negatives sagen. Im Gegenteil – hier war ich sogar positiv überrascht, stellt man das Ganze doch in einem realistischen Verhältnis zu Preis und Zielgruppe.

Die Kamera

Auch, wenn hier eine Kamera verbaut ist, die zwei Linsen einsetzt muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich in meiner Testzeit kein wirklicher Fan der Kamera werden konnte. Klar bin ich durch mein Ein-Objektiv HTC U11 (mein “daily Driver”) schon ein wenig verwöhnt, aber viel Positives kann ich der Kamera nichtsdestotrotz nicht abgewinnen. Dies beginnt bei starkem Bildrauschen in schlechteren Lichtverhältnissen und geht weiter bis einer gewissen Trägheit und dementsprechend schnell verwackelten Fotos. Apropos Trägheit: Die aktuelle Firmware hat zumindest diese ein wenig verbessert. Hier muss man Gigaset auch loben, bekamen wir doch innerhalb des Testzeitraumes zwei Aktualisierungen over-the-air verteilt.

Doch zurück zur Kamera an sich: Auch bei der Farbwiedergabe kann ich nicht sagen, dass ich hier der Fokus auf Qualität gelegt wurde. Ein weiterer Minuspunkt ist für mich hier auch die Kamera-App: Sie erinnert ein wenig an die Kamera-Apps von vor zwei bis drei Jahren – nicht wirklich aufgeräumt, nicht wirklich schön und zumindest von meiner Wahrnehmung aus auch nicht wirklich intuitiv: Hier ist die Konkurrenz schon weiter. Das allerdings sowohl in Punkto Qualität der Bilder als auch der App an sich. Aber hier will ich auch gar nicht so viele Worte verlieren – ein dediziertes Kamerahandy ist das GS370 plus nicht und wird es auch nicht werden.

Damit sich diesbezüglich jeder selbst ein Bild machen kann, habe ich mal die gleichen Fotos mit meinem U11 und dem GS370 plus gemacht. Klar reden wir hier von deutlichen Preisunterschieden nach oben und unten – doch möchte ich hier veranschaulichen, dass die Kamera hier für wirklich schöne Fotos und Menschen, die gerne schöne Fotos mit ihrem Handy machen wollen, nicht wirklich ausreichend sein wird. Die Bilder der Dropbox-Freigaben (entsprechend verlinkt) sprechen hier für sich!

Der Akku

Was den Akku angeht bin ich dagegen schon eher zufrieden. Bei durchschnittlicher Nutzung, was bei mir vor allem Surfen, Snapchat, Spotify und WhatsApp beinhaltet, komme ich durchaus gut durch den Tag. Wie ich es gewohnt bin kann ich das Handy über Nacht aufladen und komme dann von 7 Uhr an ohne “Nachtanken” durch den Tag, bis es etwa gegen 23 Uhr dann wieder an die Steckdose darf. Das ist generell ganz in Ordnung, in Sachen zu den Ergebnissen, die Kollege Olli beim Test des GS270 plus allerdings präsentiert bekam, ein kleiner Rückschritt. Nicht weiter verwunderlich, bietet der Vorgänger doch satte 5000 mAh und das GS370 plus “nur” 3000 mAh – warum das so ist, weiß wohl nur Gigaset selbst.

Gigaset GS370 plus Akku Benchmark

Benchmarks

Dem ein oder anderen ist nicht nur das alltägliche Handling wichtig, sondern auch die Zahlen, die in den klassischen Benchmarks präsentiert werden. Diese möchten wir Euch an dieser Stelle auch nicht vorenthalten und zeigen Euch nachfolgend die stumpfen Zahlen. Viel Spaß damit!

Fazit

Wenn ich das Gerät in einem Satz zusammenfassen sollte würde ich sagen: Für meine Eltern top – für mich leider flop. Warum? Das Gigaset GS370 plus ist im Grunde kein schlechtes Gerät: Es hat eine gute Ausstattung, arbeitet flott genug, lässt sich auch durch den feinen 18:9 Form-Faktor gut in der Hand halten und macht auch optisch etwas her. Gerade, was die für die Zielgruppe meiner Eltern wichtigen Faktoren angeht, kann es punkten: Es ist genug Speicher an Bord, damit es nicht, wie es bei den damaligen 8 GB-Geräten seinerzeit Standard war, schon schnell wieder den liebgewonnenen Fotos der Enkel und zahllosen WhatsApp-Weihnachtsgrüßen an den Kragen geht.

Das GS370 plus bringt eine vernünftige, reine Androidversion mit, die ohne Bloatware die Nerven schont und die Anzahl der “Was-ist-das“-Fragen an Töchter/Söhne/Enkel schmälert. Diese wird laut Hersteller auch eine akzeptable Zeit weiterhin von Gigaset aktuell gehalten (Android 8.0 steht für das zweite Quartal 2018 auf der Agenda) und auch der überschaubare Akku hält bei normaler Nutzung auch entsprechend durch: Kurzgesagt ist das GS370 plus also ein Gerät, was für die nächsten Jahre und den individuellen Ansprüchen von “Normal”-Usern genug Reserven hat.

Gigaset GS370 plus

Schön ist auch, dass für dieses Gerät auch keine Unsummen hingelegt werden müssen –  die magische Grenze von “mehr als 300 € will ich für das Ding nicht ausgeben” ist hier nämlich – je nach Ausstattung – auch erreichbar. Für Leute mit durchschnittlichen Ansprüchen und Fokus auf Geld also keinesfalls eine schlechte Wahl, möchte man nicht zwingend auf das Smartphone diverser chinesischer Hersteller schielen. Dies ist allerdings auch nicht das Publikum, was auf besondere Ästhetik in Punkto Fotos/Musik/Display achtet.

Meiner Meinung nach haben wir hier nun mal genau das, woran es bei mir persönlich scheitert und wo das Gigaset wohl eher im unteren Mittelfeld mitspielt: Wer größeren Wert auf solche Faktoren legt, wird wohl das selbe Schicksal auf sich nehmen müssen wie ich und weiterhin deutlich mehr für ein passendes Gerät ausgeben. Das liegt aber natürlich komplett im Sinne des Betrachters und der eigenen Ansprüche – doch schaut selbst und vielleicht kommt das GS370 plus doch in Eure engere Auswahl?

Gigaset GS370 plus
  • 7/10
    Verarbeitung / Design - 7/10
  • 6/10
    Display - 6/10
  • 3/10
    Kamera - 3/10
  • 8/10
    Akku - 8/10
  • 2/10
    Sound - 2/10
  • 6/10
    Telefonie - 6/10
  • 7/10
    WLAN / Bluetooth - 7/10
  • 7/10
    GPS - 7/10
  • 8/10
    Software - 8/10
  • 8/10
    Preis / Leistung - 8/10
6.2/10

Kurzfassung

Quasi reines Android, toller 18:9-Formfaktor, leider aber auch eine unterdurchschnittliche Kamera, mauer Sound und ein deutlich kleinerer Akku als das GS270 plus lassen den Nachfolger eher durchschnittlich wirken. Prinzipiell schade, denn Display und Verarbeitung stechen durchaus positiv heraus – also möglicherweise Hoffnung auf den Nachfolger des Nachfolgers?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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