Das iPad und Ich: Ein Erfahrungsbericht

Ich habe es getan. Anfang dieser Woche ist mein Apple iPad Wi-Fi+3G 16GB geliefert worden, wohl eine der Bestellungen meines Lebens, die ich als “Lustkauf” abtun würde. Ein Gerät, welches ich bei seinem Erscheinen Ende April als “nice-to-have” noch kritisch beäugt habe, ohne darin einen wirklich Sinn und Zweck zu erkennen – zu sehr sah das iPad wie ein aufgeblähter iPod touch aus. Zwar bin ich seit sechs Jahren auch privater Mac-User und habe ein Faible für fast jede Neuerung aus Cupertino, doch Anfangs überwog die Skepsis bei dem “kleinen Flachen”. Mittlerweile hat der Wind sich gedreht und spätestens beim Auspacken wissen sowohl Technik-Freaks, Skeptiker als auch Apple-Fanboys (irgendwie gehöre ich zu all den Gruppierungen), warum das iPad einen Markt, der eigentlich längst totgeboren und begraben war, nach Apples Standards neu definiert.

Die Verpackung ist klein, das Gewicht des Kartons ergibt sich fast mehr durch Füllmaterial als durch den iPad-Karton samt Inhalt selbst. 730 Gramm für das Gerät allein (680 Gramm bei der Standard Wi-Fi-Variante), eine Kurzanleitung inklusive “Büroklammer” zum Öffnen des SIM-Kartenslots sowie Ladekabel samt Netzteiladapter sind alles, wofür man mindestens 499 EUR ausgeben darf – die Preisspanne hört bei 799 EUR für das 64GB-Modell mit UMTS-Unterstützung auf.

Das erste Einschalten offenbart, wie speziell das iPad ist – auf die technischen Daten möchte ich hier nicht weiter eingehen, da diese bereits bekannt sein sollten. Der “Aha”-Effekt stellt sich direkt beim ersten Blick auf den Bildschirm ein – das erste gewohnte Tippen auf die vorinstallierten Anwendungen (iPhone- & iPod touch-Besitzer werden sich sofort heimisch fühlen) zeigt, das nicht nur Optik, sondern auch das Handling flüssig vonstatten geht. Das Drehen des Gerätes wird ohne Verzögerung umgesetzt – kein Ruckeln etc. stört den ersten Gesamteindruck: Das iPad ist somit schon “out-of-the-box” ein echter Hingucker – äusserlich und in Bezug auf das von anderen Apple-Geräten bekannte Betriebssystem iOS (hier in der Version 3.2.1).

Es folgt, was folgen muss: Der erste Kontakt mit iTunes – das Abrufen der Providerinformationen für die Nutzung über 3G (kann am Anfang freilich auch übersprungen werden). Ein Update auf das aktuelle iOS 3.2.2. Und letztendlich: Die erste Synchronisation, schliesslich sollen doch (ausgewählte) Musik, Fotos und vor allem die vom iPhone und iPod touch geliebten “Apps” mit auf das iPad wandern – und hier offenbart sich das erste kleinere “Problem”: Jede App, die auf den genannten Geräten funktioniert, funktioniert auch auf dem iPad – allerdings in Originalgrösse, bestenfalls mit Zweifach-Zoom und ergo pixeliger Optik. Hier sollte man also Ausschau halten nach Apps, die speziell für das iPad und die iPad-native Auflösung optimiert sind – viele Applikationen (die auch teil- und sinnigerweise teurer sind wie gewohnt) haben daher die Bezeichnung “HD”, die dann auch Bände spricht.

Nun zum Wichtigsten: Dem eigentlichen Einsatzzweck. Nennen wir das Kind beim Namen – das iPad ist eigentlich ein Gadget fürs Wohnzimmer – für Personen, die die Browser ihrer Spielekonsolen nicht nutzen wollen und für die die Displays der iPhone- und iPod-Serien zu klein sind. Diese “Wohnzimmernische” schliesst das iPad – freilich tut es auch ein Netbook, um “mal eben” ins Internet zu gehen, aber der Faktor der Bequemlichkeit gepaart mit dem Styling (und das sind Aspekte, denen ich mich persönlich einfach unterwerfe) sprechen definitiv für das iPad. Für mich ist es wichtig, Nachrichten schnell lesen, Fotos ansprechend präsentieren und (als Literaturfan) auch einmal das ein oder andere eBook bequem durchblättern zu können, ohne ein Notebook oder ähnliches bemühen zu müssen. Wenn auch der Flair eines echten Buches (samt des Geruches) niemals elektronisch eingefangen werden kann, so kann das iPad zumindest in Sachen Bequemlichkeit am ehesten mit meinen heissgeliebten gedruckten Büchern konkurrieren.

Fazit: Das iPad ist eine runde Sache und ein weiterer technischer Meilenstein auf der Visitenkarte von Apple. Der eine wird es lieben, der andere wird es hassen, da (unter anderem) das Gerät ohne Jailbreak immer noch ein geschlossenes System ist. Wer aber einmal das Gerät in seinen Händen gehalten hat, wird ihm zu 99 Prozent verfallen – zu perfekt mutet das iPad an, zu optimiert ist der technische Standard, dem sich das Gerät bedient, allein der Touchscreen ist (wie von Apple gewohnt) das Mass aller Dinge. Wenn ich auch viel durch eine Apple-Brille sehe, so weiss ich, das auch viele Leute aus meinem Bekanntenkreis dieses Gerät mehr als nur ansprechend fanden, da die Perfektion des iPads einfach für sich spricht – ganz im Gegensatz zu diversen Mitbewerberprodukten (mittlerweile abgekündigt: Das eher unglückliche 1&1 SmartPad ist hier wohl das beste Beispiel).

Gepaart bzw. erweitert mit den richtigen Apps ist das iPad die perfekte Symbiose zwischen mobilem E-Mail Client, Browser, Newsreader oder eBook-Bibliothek. Und wer sich nicht nur auf das “epub”-Format von Apple verlassen möchte, lädt einfach eBook-Apps wie Amazons “Kindle” oder “Stanza” herunter, ergänzt diese Auswahl noch durch einen komfortablen PDF-Reader wie “GoodReader” und hat ein Allroundgerät für das mobile und multimediale Leben. Eine vorher quasi nicht vorhandene Nische wurde durch das iPad im ersten Versuch hervorragend geschlossen und zeigt, dass Apple auch hier einmal mehr überzeugende Pionierarbeit geleistet hat!

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