Dropbox

Dropbox: Verschlüsselte Dateisysteme unter Linux bald nicht mehr unterstützt

Ja, es ist schon manchmal ein Graus mit den Cloud-Diensten: Über Jahre haben sich User teilweise keine Gedanken gemacht, wo ihre Daten liegen – dank der DSGVO setzt seit einiger Zeit schon ein Umdenken ein. Platzhirsche wie Dropbox, OneDrive, Google Drive und Co. sind aus Gründen der Bequemlichkeit nicht wegzudenken. Speziell der Platzhirsch aber sorgt aktuell aber für schlechte Nachrichten: Dropbox beschneidet bald – genauer gesagt ab dem 07. November – aktiv und wissentlich Nutzer aus der Linux-Community. Am Ende wieder ein Grund mehr, sich endlich einmal über Alternativen Gedanken zu machen.

Dateisysteme unter Linux sind mannigfaltig – viele Nutzer werden klassisch mit dem Ext4-Dateisystem unterwegs sein. Andere wiederum nutzen – auch distributionsbedingt – Btrfs oder XFS. Im Zuge aktueller Gerüchte, Dropbox würde den Linux-Client nur noch unter unverschlüsselten Ext4-Partitionen- und System anbieten, kochten in den letzten Tagen viele Meinungen und Kommentare auf. Mittlerweile hat man im offiziellen Forum auch bestätigt, das eben dies zutreffen wird. Über die Gründe, warum man das tut, darf gemeinhin spekuliert werden. Kosteneinsparung, nachdem COO Dennis Woodside das Unternehmen verlassen hat? Oder eine neue, strategische Ausrichtung?

Ursachenforschung

Oder mag man als amerikanisches Unternehmen den Gedanken nicht, dass Nutzer per se mit verschlüsselten Partitionen unterwegs sind? Speziell im Aussendienst und der stetig wachsenden Anzahl an mobilen Arbeitsgeräten gibt es unter Linux wie eben auch Windows genug verschlüsselte Systeme. Nicht jeder Microsoft-Nutzer mag auch OneDrive – einfach, weil er seit Jahren erfolgreich mit Dropbox unterwegs ist. Kommt hier der nächste, einschränkende technische Rotstift? Oder lohnt sich die Entwicklung des Dropbox-Clients für weitere Dateisysteme nicht mehr? Zugegeben Ext4 ist nicht mehr das jüngste, aber das wohl immer noch verbreitete Linux-FS. Mirakel, Mirakel…

Dropbox-Forum (Ext4)

An dieser Stelle über Workarounds wie virtuelle Maschinen oder separate Partitionen zu fachsimpeln, auf denen die Dropbox-Daten liegen, empfinde ich als müßig: Wenn etwas nicht out-of-the-box gehen soll, ist es wohl so gewollt. Ein Workaround ist für mich privat wie beruflich eine “Krücke”, die ich für einen gewissen Zeitraum nutze, bis das gewünschte Feature im jeweiligen Produkt verfügbar ist. Hier käme das dann einer “Krücke rückwärts” gleich – nicht wirklich zielführend, oder? Wen derweil die aktuellen und aktualisierten Systemvoraussetzungen von Dropbox interessieren, findet sie sicherheitshalber hier. Sinnigerweise kritisieren viele Nutzer auch berechtigterweise, dass viele andere Dateisysteme ebenfalls schon lange Extended Attributes mitbrächten. Dieses Feature ist eben nicht mehr Ext4-exklusiv und Dropbox läuft bisher auch auf diesen Dateisystemen bis heute problemlos.

Alternativen

Apropos Alternativen: Leser meines Blog wissen, dass ich seit einiger Zeit vor allem mit Nextcloud unterwegs bin. Selbst-gehostet, Herr der eigenen Daten und – sobald man sich umgewöhnt hat – auch kein Mangel an Komfort: Dank zu integrierender Apps kann sich jeder Nutzer Nextcloud so anpassen, wie er mag. Das Ganze geschieht dann ganz ohne Einschränkungen vom Betriebssystem oder genutztem Dateisystem.

Nextcloud-Logo

Beschäftigt man sich aktuell noch nicht mit der “Wo-liegen-meine-Daten”-Frage, so ist mir doch besonders die Bevormundung eines Dienstleisters ein Dorn im Auge, dem ich meine Daten anvertraue. Daten sind heute unser wichtigstes Gut, für das wir sowohl bei kostenlosen als auch kostenpflichtigen Diensten irgendwie bezahlen. Mir aber vorschreiben lassen, dass ich nur Dateisystem X auf meinem Linux-Desktop laufen lassen kann, idealerweise unverschlüsselt? Eigentlich undenkbar und von frech bis und bis unverfroren so nicht wirklich tragbar: Nicht als Privatmann und als Business-Nutzer sowieso nicht!

Sorry, Dropbox – so bequem Euer Dienst auch ist und auch wenn ein Dropbox-Sync für viele Apps immer noch state-of-the-art ist, knirsche ich hier gerade mit den Zähnen. Auch als Nutzer, der Linux weniger am Desktop als am Server nutzt sage ich: Danke, das war es! Zwei Apps nutze ich aktuell noch sowohl auf denen iDevices als auch unter Android. Beide beherrschen noch (?) keine WebDAV-Anbindung, ergo  synchronisieren sie sich künftig definitiv nicht mehr mit Dropbox.

Was kommt?

Man darf indes gespannt sein, wie Dropbox reagiert und ob dieses Echo denn so gewollt war. Gab es vorher “nur” die Datenschutzbedenken, so taucht doch jetzt ein neues Problem auf. Wer schlau ist, verschlüsselt seine Daten sowieso parallel durch Lösungen wie Boxcryptor und Konsorten. Das technische Problem, das es nun zu lösen gilt, dürfte indes für viele Menschen gar schlimmer wirken als die Datenschutz-Frage: Hier setzt eben ein Dienstleister voraus, welches Dateisystem ich auf meinem Client nutzen darf, um ein Produkt nutzen zu dürfen. Geht nicht? Offenbar schon – nun darf man auf ein Statement von Dropbox warten. Kommt das nicht, sollte man eben aus technischen Gründen überlegen, ob nicht auch andere Anbieter hübsche Wolken haben – und wenn es eben die eigene ist!

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