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EU: Abstimmung über die Zeitumstellung – oder doch nicht?

Die Theorie könnte so schön sein wie die Intention dahinter, dennoch gebührt der Titel für den “Fail der Woche” wohl der EU-Kommission in Brüssel: Vor ein paar Tagen kam man nämlich auf die Idee, 500 Millionen Bürger der Europäischen Union über den Sinn oder Unsinn der Zeitumstellung abstimmen zu lassen. Gute Idee, wie ich finde, wiegen doch die angeblichen Vorteile die Nachteile deutlich auf: Vom klassischen Verschlafen bis hin zu Kindern, deren Biorhythmus aus eigener Erfahrung erst einmal zwei Wochen durcheinander ist (vom eigenen einmal ganz zu schweigen), bringt das zweimalige jährliche Drehen an der Uhr meiner Meinung nach gar nichts – und diese Meinung teilen mittlerweile viele.

Die Umstellung der Uhren und das damit verbundene Chaos in heutiger Form wurde in Deutschland bereits 1980 eingeführt – mit dem edlen Ziel, Energie zu sparen. Seit 1996 stellen dann auch alle Bürger in den EU-Mitgliedsländern die Uhren am letzten Sonntag im März eine Stunde vor und am letzten Oktober-Sonntag wieder eine Stunde zurück. Klingt logisch, oder? Leider nicht, denn der tatsächliche Nutzen ist und war stets umstritten. Laut dem Umweltbundesamt schaltet Deutschland wegen der Zeitumstellung im Sommer tatsächlich abends seltener das Licht an, im Frühjahr und Herbst hingegen wird – sinnigerweise – jedoch morgens mehr geheizt.

Außerdem sehen auch Mediziner die bekannten und bereits benannten Gesundheitsrisiken: Schlafforscher warnen, empfindsame Menschen könnten Probleme mit dem alltäglichen Zeitablauf haben – Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und ähnliche Begleiterscheinungen inklusive. Wer sensible Kinder hat, wird davon auch ein Lied singen und dieses Statement so unterschreiben können.

Sarkastisch gesehen sagte ich mir hier: “Wow, man wird ja endlich einmal gefragt” und machte mich direkt ans Werk. Das Ergebnis: Eher ernüchternd. Da darf man schon aktiv an dieser bis zum 16. August 2018 befristeten Umfrage teilnehmen, ohne dass Brüssel sich einfach entscheidet, den jetzigen Status Quo beizubehalten und dann das:

EU - Sommerzeitabstimmung - Zeitumstellung - Server Down (1)

Da fragt man sich doch glatt, ob man mit der eigenen Meinung, dass das ewige Schwenken zwischen Sommer- und Winterzeit nicht vielleicht doch völliger Humbug ist, vielleicht doch nicht so ganz allein ist. Immerhin reichten hier die Serverkapazitäten im Sinne der legalen Denial-of-Service-Attacke der europäischen Bürger noch für eine Fehlermeldung. Einen Tag danach sah das schon schlimmer aus:

EU - Sommerzeitabstimmung - Zeitumstellung - Server Down (2)

Spätestens jetzt tauchte die offensichtliche Frage auf, ob man im Rahmen dieses offensichtlichen Schildbürgerstreiches den Willen des Volkes in Sachen Zeitumstellung schlichtweg unterschätzt hat. Alternativ auch, ob die IT-Struktur hinter dem Portal schlichtweg nicht für die Anzahl an Menschen ausgelegt war, die hier abstimmen wollten: Eine schlichte, aber wirksame DoS-Attacke mit Ansage, die in dem – neudeutsch – bezeichneten “Fail” endete. Wahrscheinlich war es eine Kombination aus beiden und letztendlich entsprechend und einfach peinlich.

EU - Sommerzeitabstimmung - Zeitumstellung - Survey

Am Ende ist aber wieder alles gut und heute – immerhin zweieinhalb Tage nach meinem ersten Versuch – konnte ich nun endlich meiner Bürgerpflicht nachkommen und meiner Meinung Luft verschaffen. Wer möchte, darf die EU-Kommission per Mail unter MOVE-SUMMERTIME@ec.europa.eu erreichen oder eben direkt auf der nun offenbar dauerhaft stabilen Webseite abstimmen – viel Erfolg!

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