Flint OS: Chromium-OS basiertes System für den Desktop

Wer viel mit Google-Diensten unterwegs ist und nicht viele Ansprüche an seinen Rechner hat, wird möglicherweise schon einmal über ein Chromebook nachgedacht haben. Surfen, Mailen und die typischen Google-Dienste unter einer Oberfläche – dem Chrome-Browser – reicht für viele Nutzer eigentlich schon aus. Wem jetzt aber die Auswahl der Geräte hier in Deutschland noch nicht zusagt oder wer einfach nur mal schauen möchte, wie sich Chrome OS so anfühlt, darf das jetzt auch auf heimischer Hardware – Raspberry Pi inklusive – tun: Flint OS des kleinen Startups Flint Innovations Limited macht es möglich!

Das Unternehmen mit Hauptsitz in London hat einen Fork von Chrome OS entwickelt, der wiederum auf Chromium OS basiert und der für andere Endgeräte als die klassischen Chromebooks verfügbar ist. Laut Flint ist die Vision, alle Dienste aus der Cloud am lokalen Gerät aus einem einzelnen Browserfenster nutzen zu können, die treibende Kraft hinter dem Chrome OS-Fork, der wie das Original schnell lädt, automatische Updates und Touch- und Swipe-Unterstützung mitbringt. Auch der Android App-Support fließt in dieses Projekt mit ein und wer einen x86-PC oder ein ARM-Board wie den Raspberry Pi besitzt, kann eigentlich direkt starten. Wie das im Detail geht, möchte ich Euch nachfolgend in Verbindung mit einem Raspberry Pi 3 nun einmal zeigen.

Flint OS Notebook

Am Anfang ist da erst einmal der Download für die passende Version. Unterstützt werden PCs mit allen Grafikchips ausser Nvidia („Vanilla“), PCs mit so ziemlich allen Grafikchips (Version 3.2), VMware, das ASUS Tinker Board (generell Einplatinenrechner mit RK3288- und RK3399-Chips) und der Raspberry Pi 3/B. Letzteres Image baut noch auf Chromium R56 auf und wurde bereits im Mai 2017 veröffentlicht, während die Version 3.2 für PCs mit Chromium R62 und einem Build-Datum aus Ende Dezember 2017 schon deutlich aktueller ist.

Wurde das Archiv entpackt, bleibt in unserem Fall eine .IMG-Datei mit Flint OS übrig.Flint OS entdeckenDiese muss dann auf die Micro SD-Karte geschrieben werden, die wiederum nach dem Schreibvorgang in den Raspberry Pi 3 eingelegt wird. Ich nutze für diesen Fall die App „ApplePi-Baker„, die – nebenbei erwähnt – aber auch Images für andere Systeme als Raspberries schreiben kann. Wir geben also das Volume mit der Speicherkarte sowie das frisch entpackte Image an, klicken auf die Schaltfläche „Restore Backup“ und warten. Flint OS ApplePi-BakerNach erfolgten „Betanken“ wird die Micro SD-Karte automatisch ausgeworfen und kann in den Raspberry Pi 3 gesteckt werden, um unseren Chromium OS-Fork das erste Mal zu starten.

Flint OS ApplePi-Baker - fertig

Nach sehr kurzer Zeit erscheint auch schon der Erstkonfigurations-Bildschirm, wie wir ihn auch von einem klassischen Chromebook kennen. Als erstes müssen Sprache und Region eingestellt sowie die Art der Netzwerkanbindung eingestellt werden:

Flint OS Start - Regionen

Dann prüft das System nach verfügbaren Updates:

Flint OS Start - Updates

Anschließend melden wir uns – wie von „richtigen“ Chromebooks gewohnt – mit unserem Google-Konto am System an:

Flint OS Start - Anmeldung

Ist das erfolgt, bekommen wir auch die voreingestellten Apps präsentiert und können auf Wunsch auch direkt eine Websuche starten:

Flint OS Start - Google

Auch die weiteren Optionen sehen genau so aus, wie man es gegebenenfalls bereits schon einmal gesehen hat. Ein Blick auf unser Konto unten rechts zeigt alle möglichen Schnell-Einstellungen, bietet aber auch die Möglichkeit zum Sperren oder Herunterfahren des Systems. Auch die systemweiten Einstellungen können von hier aus erreicht werden.

Flint OS Start - Optionen

Surft man ganz banal eine Webseite an, so ist diese auch beim Raspberry Pi 3 recht schnell geladen. Also genau so schnell, wie man es bei klassischen Chrome OS-Geräten auch kennt: Alles geschieht halt im Browser und die benötigten Ressourcen wirft das System allemal ab – viele der Chromebooks sind ja noch mit Celeron-Prozessoren unterwegs, da leistet das ARM-Derivat im Raspberry Pi 3 wie erwartet ebenfalls sehr gute Arbeit!

Flint OS Start - Browser

Fazit: Flint hat hier eine sehr interessante Portierung für Chrome OS-Freunde auf „herkömmlicher“ Hardware geschaffen. Wer Google-lastig im Netz unterwegs ist und auch einen Großteil der Google-Dienste nutzt, sollte sich das System einmal – je nach Anforderung – einmal anschauen. Mir selbst fällt die Umgewöhnung relativ schwierig, da ich auch noch viele Sachen ausserhalb des Browser erledige – aber das muss ja nicht für jeden gelten.

Wem das aktuelle Chromebook Hardware-Angebot in Deutschland, die jeweiligen Hersteller oder – bei den besseren Modellen – die Preise nicht zusagen, kann also mittlerweile mit vielen Plattformen das Chrome OS auch auf anderer Hardware laufen lassen. Ideal – nicht nur für den Bildungszweck – ist hier meiner Meinung nach natürlich wirklich der Raspberry Pi 3.

Für viele Nutzer in meinem Freundes- und Bekanntenkreis würde so eine Lösung als klassische Surf-/Mail-Maschine durchaus ausreichen. Der erwähnte Bildungssektor dürfte ebenfalls interessiert aufhorchen, können durch durch Javascript-APIs auch viele Raspberry-Schnittstellen- und Erweiterungen angesprochen werden.

Wer mehr von den Systemen im Einsatz hat, kann diese auf Wunsch auch über ein zentrales, ebenfalls cloud-basiertes Management-System verwalten. Dieses Feature gepaart mit der noch anstehenden, finalen Android App-Unterstützung, die gerade noch in Arbeit ist, sollte das System auch breitflächig interessant machen!

 

Oliver Pifferi

Stolzer Familienvater. Digital Native und Cloud-Evangelist. Multimedia-Freak. Bekennender USA- und UK-Fan. Blogger mit stets zu wenig Zeit. Hobbyphilosoph. #JustMetal. Querdenker. Zyniker. Hauptberuflicher IT-Consultant- & Vertriebler. Auch zu finden bei LinkedIn. Dieser Artikel hat einen Job oder zumindest Euren Seelenfrieden gerettet und gegebenenfalls sogar für Kurzweil gesorgt? Die PayPal-Kaffeekasse freut sich - dankeschön!

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