Huawei Mate 9: Das Beste kommt zum Schluss

Das Jahr ist fast rum und neben meinem Daily Driver aus Cupertino, der ja unlängst den Sprung auf Modellreihe 7 verpaßt bekommen hat, haben mich in diesem Jahr drei Android-Smartphones wirklich begeistern können: Das OnePlus 3, das Samsung Galaxy S7 Edge und das Huawei P9. Jedes Gerät selbst war für sich speziell, aber die richtige Punktlandung (auch im Vergleich zum Vorgänger) hat für mich Huawei mit dem P9 hingelegt. Die nahezu perfekte Größe und eine klasse Kamera machen das mittlerweile deutlich im Preis gefallene Smartphone zum “Aha!”-Erlebnis 2018. Doch wie so oft kommt das Beste bekanntlich zum Schluß und Huawei ist noch längst nicht fertig: Das Mate 9 schickt sich an, noch einen draufzulegen und schippert auch ein wenig im Kielwasser von Samsungs explosiver und ungewollter #Note7-Kampagne daher. Die Frage daher: Nutzen die Chinesen die marketingtechnische Steilvorlage oder vergleicht man hier Äpfel mit Birnen? Das soll der folgende, anfangs noch durch Software-Unzulänglichkeiten etwas gestörte Test zeigen!

Im Rahmen des Beta-Testprogramms von Huawei durfte ich das Mate 9 nun fast zwei Monate auf Herz und Nieren testen und möchte Euch natürlich daran teilhaben lassen. Wie realistisch ist die unverbindliche Preisempfehlung von 699 EUR angelegt, wie ausgereift sind Android 7.0 Nougat und Huaweis Herstelleraufsatz EMUI 5.0 bereits und stimmt das Gesamtpaket, welches Ihr als Käufer erwarten dürft? Sind 5,9″ vielleicht viel zu groß, hat Huawei von Anfang an die Benachrichtigungen im Griff, die einen beim P9 noch so geärgert haben und spielt das Mate 9 wirklich in einer Liga, die das Samsung Galaxy Note 7 vergessen machen kann?

Vorab sei gesagt: Trotz der 5,9″ Display-Diagonale sehe ich das Mate 9 weder im Dunstkreis von Apples iPhone 7 Plus noch in dem von Samsungs Galaxy Note 7: Ersteres hat fast dieselben Abmessungen, aber “nur” ein 5,5″-Display. Die Galaxy Note-Serie hatte mit ihrer Stift-Bedienung seit jeher ein Alleinstellungsmerkmal, welches das Mate 9 nicht besitzt. Also  muss man das – auch im Angesicht von iOS, was mich privat seit Jahren begleitet – und der nicht vorhandenen Stiftbedienung völlig losgelöst vom Wettbewerb betrachten. Spannend ist aber definitiv, dass man hier ein Riesendisplay – wenngleich auch “nur” mit Full HD-Auflösung – in ein Smartphone integriert, was woanders eher mit 5,5″ daherkommt: Das macht unter anderem auch der fehlende Home Button möglich. Schauen wir uns aber zunächst einmal das Mate 9 im Detail an und fokussieren uns schlichtweg auf die Fakten:

UND DAS IST DRIN: DAS INNENLEBEN DES HUAWEI MATE  9:

  • Display: 5.9″ FHD Display, 1080p (1920 x 1080) bei 373 ppi mit 16.7M Farben, Farbsättigung (NTSC) 96% und einem Kontrastwert von 1500:1 (Standard)
  • Prozessor: Huawei Kirin 960, Octa-core CPU (4 x 2.4 GHz A73+ 4 x 1.8 GHz A53) + i6 Coprozessor, Mali-G71 MP8-GPU
  • Arbeitsspeicher: 4 GB LPDDR4 RAM
  • Speicher: 64 GB, erweiterbar via Micro-SD-Karte bis zu 256 GB im SIM-Slot 2 (Dual-SIM-Funktionalität fällt dann weg)
  • Kamera: Rückseite 20 MP Monochrom +12 MP RGB, F2.2 Blende, OIS (Optische Bildstabilisierung), BSI CMOS, Dual-tone Flash, PDAF + CAF + Laser + Schärfentiefe Autofokus, 2x Hybrid Zoom, 4K Videoaufnahme. Frontkamera mit 8 MP AF und F1.9 Blende
  • Betriebssystem: Android 7.0 “Nougat” samt EMUI 5.0 (zum abschließenden Testzeitpunkt mit dem November-Sicherheitsupdate)
  • Akku: 4000 mAh Lithium-Polymer (nicht austauschbar)
  • Abmessungen: 156,9 x 78,9 x 7,9 mm, ca. 190 Gramm
  • Verbindungstechnologien: WLAN  2.4 & 5 GHz, 802.11a/b/g/n/ac mit Wi-Fi Direct-Unterstützung, Bluetooth 4.2, BLE-Unterstützung, NFC, SIM1 mit 4G TDD LTE: Band38/39/40/41(100MHz), 4G FDD LTE: Band1/2/3/4/5/7/8/9/12/17/18/19/20/26/28/29; 3G UMTS(WCDMA)/HSPA+/DC-HSDPA: Band 1/2/4/5/6/8/19, 3G TD-SCDMA: Band34/39, CDMA EV-DO Rev. A: BC0(800MHz), nur für China Telecom und 2G GSM: 850/900/1800/1900MHzSIM2 mit 3G UMTS(WCDMA): Band 1/2/4/5/6/8/19, CDMA: BC0(800MHz), nur für China Telecom, 2G GSM: 850/900/1800/1900MHz
  • Sensoren: Fingerabdrucksensor, G-Sensor, Gyroskop, Kompass, ALS, Näherungssensor, HALL, Barometer, IR
  • Farben: Space Gray / Moonlight Silver
  • Sonstiges: GPS/Glonass/Galileo/BDS, USB Typ-C, LED-Benachrichtungsanzeige, Vibrationsmotor, Dual Nano-SIM

WIE FÜHLT SICH DAS DING AN? HAPTIK UND OPTIK

Die Zeiten, in denen Android-Smartphones in recht schmucklosen Hüllen steckten, sind Gott sei Dank vorbei: Auch beim Mate 9 lässt man nicht kleckern, sondern klotzt direkt mit einem schönen viereckigen Karton, der das Objekt der Begierde samt dem reichhaltigen Zubehör sicher verwahrt. Eine Fotoserie der Auspack-Orgie spare ich mir an dieser Stelle einfach mal – ich denke, diese Zeiten sind vorbei denn natürlich zählen am Ende nur die inneren Werte. Wer aber dem Verpackungs-Fetisch frönt, wird mit der schmucken Verpackung dennoch seine Freude haben.

Und die haben es in sich, denn neben dem Mate 9 wartet Huawei mit einer sehr ordentlichen Ausstattung auf: Ladegerät, Kopfhörer, ein USB Typ-C-Kabel (was bin ich froh, dass sich dieser Standard nun endgültig durchzusetzen scheint!) und ein USB Typ-C-Adapter in Richtung Micro-USB sind an Bord – beispielhaft! Komplettiert wird das Ganze durch das gewohnte Zubehör, die Quick Start Guide, das SIM-Tool zum Auswerfen des Sim-Trays und auch ein mattes Case, welches das edle Mate 9 gegen direkte Beschädigungen schützen sollen. Soviel also erst einmal zum Lieferumfang an sich, werfen wir nun einen Blick aufs Gerät selbst.

190 Gramm bringt das Mate 9 auf die Waage und auch, wenn das erst einmal nach Wuchtbrumme klingt, sei erwähnt: Die Wertigkeit wiegt das Gewicht in Summe auf, alles ist perfekt ausbalanciert und wer ein iPhone der Plus-Serie kennt, wird das Gewicht das Mate 9 nicht als K.O.-Kriterium erachten. Ganz im Gegenteil: Mehr wäre nicht optimal, weniger Gewicht hieße aber, irgendwo anders Abstriche machen zu müssen. Aus der Sicht betrachtet, gehen die 190 Gramm absolut in Ordnung und ganz ehrlich: Mittlerweile gewöhnt man sich fast an ein Gewicht in der Größenordnung, so geht es zumindest mir.

Auf der linken Seite des Mate 9 finden wir bis auf den Dual Sim-Einschub nichts und dieser schließt auch plan mit dem Rahmen ab. Die rechte Seite beherbergt die Lautstärkewippe und den Ein-/Ausschalter, beides in mittlerweile gewohnter Qualität und auf Hochglanz getrimmt: Eine Unterscheidung der Overfläche der Buttons – etwa durch eine rauhe Oberfläche beim Ein-/Ausschalter – gibt es nicht, aufgrund der Größe sind die Einheiten aber einfach auseinanderzuhalten. Alles ist fest, nichts hat zu viel Spiel und auch der Druckpunkt paßt. Unten finden wir den Lautsprecher (zwei Gitter, wobei nur das rechte für die Soundausgabe zuständig ist, die ab 70% Lautstärke allerdings leicht ausufert) sowie den zentral platzierten USB Typ-C-Port (die Datenübertragung erfolgt auch hier leider nur über USB 2.0-Geschwindigkeit).

Die obere Seite des Gerätes enthält den IR-Blaster, mit dem Ihr im Wohnzimmer das ein oder andere Gerät bedienen dürft sowie den Kopfhöreranschluss, der bei anderen aktuellen Geräten ja Stein des Anstoßes ist: Ich bin eher Freund von kabellosen Headsets, wer aber darauf Wert legt, findet mit dem Mate 9 auf jeden Fall ein Oberklassen-Gerät, welches noch mit 3,5er Klinkenanschluss unterwegs ist.

Meine favorisierte Smartphone-Größe hatte sich so mittlerweile auf 5,2 Zoll eingependelt (der absolute Sweet Spot in Sachen Handling: Das Huawei P9 – für mich die perfekten Maße), aber ich muss zugeben: Wer ein iPhone 7 Plus gewöhnt ist, empfindet das Mate 9 quasi als Handschmeichler. Schwierig vorzustellen, aber nachdem, ich mich im Android-Segment an 5,5 Zoll-Geräte gewöhnt hatte, dort aber auch nicht immer mit dem Daumen jedes Icon erreichte, denkt man bei den 5,9 Zoll erst einmal an einen ergonomischen Totalausfall: Mitnichten!

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