Ja, es war schon ein Aufschrei, der durch die Nutzerschaft ging, als Evernote seinerzeit verkündete, seine Datenschutzrichtlinie ändern zu wollen. Bedingt durch das maschinelle Lernen musste man erst via Opt-Out verkünden, dass theoretisch Evernote-Mitarbeiter eben nicht die eigenen Notizen sehen durften. Das und die Änderung des Preismodells haben viele User auf die Suche nach Alternativen zu einer (eigentlich) konkurrenzlos guten Software getrieben. Neben den üblichen Verdächtigen wie OneNote & Co. stolperte ich unlängst nun über Joplin aus dem Open Source-Lager: Ein Grund also, mir diese Software einmal ein wenig näher anzuschauen!

Joplin ist primär eine Lösung mit dem Fokus auf Notizen und Aufgaben, die wiederum in einer großen Anzahl von Notizbüchern organisiert werden können. Die einzelnen Notizen sind hier auch durchsuchbar und können mit Tags versehen werden. Die Bearbeitung erfolgt entweder aus der Applikation direkt oder via eines klassischen Texteditors. Alle Notizen werden im Markdown-Format abgelegt.

Der Clou: Nutzer, die aufgrund der bekannten Evernote-Thematik möglicherweise schon ihre Notizen im .enex-Format exportiert haben, werden sich freuen, denn diese sind in Joplin wunderbar einzulesen. Mit übernommen werden hierbei unter anderem der formatierte und beim Import ins Markdown-Format importierte Inhalt. Auch alle Resourcen wie Inhalte und Anhänge sowie alle Metadaten sind mit an Bord. Unter letzteren befinden sich wiederum Ortsangaben (Geotags) sowie die Zeiten der Notizenerstellung- oder Aktualisierung.

Die Notizen selbst können über verschiedene Wege synchronisiert werden: Aktuell noch über Microsofts OneDrive bei den Mobil-Versionen oder – beim Desktop-Client- über einen frei einzugebenden Pfad wie eine Netzwerkfreigabe. Auch eine Synchronisation über eine private Cloud-Lösung wie Nextcloud ist möglich, wenn man über das Dateisystem den entsprechenden Pfad eingibt. Hier muss der Client für Android und iOS allerdings noch nachbessern, den diese beiden Varianten verstehen aktuell “nur” OneDrive.

Joplin Sync-Pfad

Apropos Nextcloud: Laut dem Entwickler Laurent Cozic arbeitet er aktuell an einer nativen Nextcloud-Synchronisation, was das Produkt für mich als bedingungslosen Nextcloud-Freund in diesen frühen Zügen schon extrem abrunden würde: Private Cloud mit direkter Anbindung an meine Notizbüchern kombiniert schon zwei Aspekte, die sich dann auch technisch unter meinem Dach befinden!

Joplin Terminal - tolle Evernote-Alternative

Beim Synchronisieren selbst werden Notizen, Notizbücher, Tags und alle anderen Metadaten übrigens in klassischen Textdateien gespeichert. Diese können wiederum einfach geprüft, gesichert und auch hin- und hergeschoben werden. Aktuell ist Joplin – man sieht es an der Versionsnummer des Clients – noch in der Entwicklungsphase, aber bereits mehr als brauchbar für den täglichen Einsatz. Wer mag, kann auch eine Terminal-Version seiner Notizen nutzen und wird somit auch in der Konsole nicht an der Nutzung seiner Notizen unter Linux, macOS und Windows gehindert.

Joplin Mobile OS

Fazit für den Moment: Joplin ist ein feines Projekt für die, die Evernote vermissen und die mangels Alternativen oder aufgrund zu hoher Komplexität anderer Produkte noch nicht den richtigen Nachfolger gefunden haben. Wo ein OneNote zu komplex wirkt und ein QOwnNotes zu schlicht, könnte Joplin diese Lücke prima schliessen. Ein wenig Hand anlegen muss der Entwickler noch an den Möglichkeiten zur Cloud-Synchronisation, der Weg bis hierhin stimmt aber. So könnte ich mir in Zukunft vorstellen, in Gänze auf das äusserst spannende Gesamtprodukt Joplin zu setzen!

Joplin
Joplin
Entwickler: Laurent Cozic
Preis: Kostenlos
Joplin
Joplin
Entwickler: Laurent Cozic
Preis: Kostenlos
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