In Zeiten, wo der ein oder andere bestrebt ist, seine Daten in seiner eigenen Cloud zu hosten, reden wir längst nicht mehr von klassischer Dateisynchronisation. Lösungen wie das von mir favorisierte Nextcloud laden dazu ein, sogar noch einen Schritt weiterzugehen: Ich rede hier von Notizen, vor allem aber von Kontakten und Kalender-Daten, die bisher über Exchange Active Sync oder andere Protokolle zusammen mit der E-Mail des jeweiligen Anbieters direkt auf das Smartphone flossen: Schön und bequem ist (war) das.

Nun überlege ich ja schon seit einiger Zeit – und nicht nur unterstützt durch diverse aktuell Berichterstattungen – , wie ich mein digitales Pferd auch abseits der reinen Dateiablage neu aufzäumen kann. In Sachen File-Ablage- & Sharing ist Nextcloud gesetzt und nachdem ich auch in Sachen E-Mail einen Schritt weg von der Bequemlichkeit des großen Dienstes aus Redmond in Richtung ProtonMail gemacht habt, mußte auch konsequent der nächste Schritt gemacht werden.

Android kann die Protokolle CardDAV und CalDAV – anders als iOS – nicht von Haus aus synchronisieren und diese Standards ansprechen. iOS und MacOS ist hier ein anderes Thema, da gehe ich in einem weiteren Artikel noch einmal näher drauf ein. Android-Nutzer müssen sich also durch ein Synchronisations-Tool wie DAVdroid behelfen, was den Daten liefernden Server (die jeweilige Nextcloud-Instanz) mit dem jeweiligen System (hier: Ein OnePlus 5T mit Android 8.0 “Oreo”) entsprechend miteinander reden lässt.

Nachdem F-Droid unter der entsprechenden Seite heruntergeladen und installiert wurde, können wir die gewünschten Kalender und Kontakte unserer Nextcloud-Installation folglich technisch “anzapfen”. Das geht einmal direkt aus der Nextcloud-App heraus, hier trägt dann Nextcloud schon einmal brav fast alle notwendigen Parameter direkt in die App ein. Ihr findet den Punkt dafür hier:

Nextcloud DAVdroid - App

Alternativ kann man die Parameter auch manuell eintragen – das schadet auch nicht und ist am Ende nur ein zusätzlicher Schritt, der auch zu verschmerzen ist. Schlüssel zum Glück nach Start der DAVdroid-App ist das “Plus”-Zeichen, das den Assistenten zum Konfigurieren eines neuen Cal-/CardDAV-Kontos startet:

Nextcloud DAVdroid - Neues Konto

Basis-URL, Benutzername und Kennwort sind nun einzugeben – den Rest erledigt dann die App für Euch. Einen Konto-Namen vergeben und die Art, wie Gruppen gehandhabt werden sollen (Standard: Eigene VCards) und der Spuk ist schon wieder vorüber und Ihr seht im nachfolgenden Bildschirm das eingerichtete Konto.

Nextcloud DAVdroid - Konfigurationsende

Schauen wir uns nun mal den eingerichteten Synchronisations-Job per Finger-Tipp an, so müssen wir nun erst einmal die Berechtigungen erlauben, damit DAVdroid auch Zugriff auf unsere lokale Kalender- und Kontaktdatenbank hat. Erteilt Ihr die dafür notwendigen Berechtigungen nicht, scheitert das Projekt an dieser Stelle unweigerlich – und logischerweise.

Nextcloud DAVdroid - Berechtigungen

Sind die Berechtigungen erteilt worden, sollten wir nicht nur alle in unserem Nextcloud-Konto vorhandenen Kalender samt der Kontaktgruppe sehen, sondern können nun auch die zu synchronisierenden Elemente ab- und anwählen, je nach Bedarf! Ein Tipp auf das Zahnrad oben führt uns dann noch in die Job-spezifischen Synchronisations-Einstellungen, die wir uns an dieser Stelle einmal näher anschauen:

Nextcloud DAVdroid - Synchronisation

Hier können dann neben der Synchronisations-Häufigkeit (Standard: Jeweils 240 Minuten) auch diverse andere Parameter verändert werden – beispielsweise könnt Ihr auch hinterlegen, dass DAVdroid nur im WLAN synchronisieren soll. Ich habe im vorliegenden Beispiel den Wert auf 60 Minuten geändert und anschliessend in der Hauptübersicht per Tipp auf das Sychronisations-Symbol den Erstabgleich gestartet – kurz danach waren alle Kalender in der jeweiligen Kalender-App so sichtbar, als würde man direkt via Google Mail, Outlook.com und Konsorten synchronisieren.

Das Ganze funktioniert dann – einmal eingerichtet – relativ geschmeidig, der “Alles-aus-einer-Hand”-Gedanke der großen Provider schwindet an dieser Stelle aber ein wenig. Das Hantieren mit mehreren Anbietern, gegebenfalls Apps und Zugängen, nur um am Ende den gleichen Effekt zu haben wie bei den bisherigen Anbietern, die alles unter einem Dach vereinen, erfordert ein wenig Gewöhnung. Aber wie heißt es so schön? Entweder es ist einfach oder es ist sicher – und einmal eingerichtet, vergißt man quasi schon wieder, dass die einzelnen Elemente sich aus unterschiedlichen (sichereren) Elementarteilchen zum großen Ganzen zusammensetzen. Doch das ist ein anderes Thema, das auch mal einen eigenen Artikel wert ist und den Rahmen dieses eher technischen Beitrages ein wenig sprengen würde!

DAVdroid kann entweder kostenlos über F-Droid bezogen oder aber für 3,99 EUR im Play Store erworben werden. F-Droid ist ein alternativer Store respektive ein installierbarer Katalog mit FOSS-Apps (Free and Open Source Software) auf Android-Basis. Der Client vereinfacht die Suche und Installation von Apps und behält den Überblick über Aktualisierungen. Wer also auch die an sich einzig sicherste Quelle außerhalb des Play Stores nutzen möchte, sollte auch hier fündig werden.

Am Ende wichtig zu erwähnen: Auch, wenn DAVdroid bei F-Droid kostenlos ist, darf man gerne etwas spenden – das ist für mich eine Selbstverständlichkeit für eine Software, die die Brücke zwischen zwei Welten schlägt. So hat der Entwickler so oder so etwas davon und wird auch ermutigt, solche Apps auch weiterzuentwickeln 😉 !

Nextcloud
Nextcloud
Entwickler: Nextcloud
Preis: Kostenlos
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Stolzer Familienvater. Digital Native und chronischer Device-Switcher. Multimedia-Freak. UK-Fan, auch mit Brexit. Blogger mit stets zu wenig Zeit. Hobbyphilosoph. Musik-Enthusiast. Querdenker. Zyniker. Hauptberuflicher IT-Consultant- & Vertriebler. Auch zu finden bei LinkedIn. Dieser Artikel hat einen Job oder zumindest Euren Seelenfrieden gerettet und gegebenenfalls sogar für Kurzweil gesorgt? Die PayPal-Kaffeekasse freut sich - dankeschön!

2 Kommentare

  1. Pingback: Nextcloud: Kalender und Kontakte auf Apple-Systemen synchronisieren

  2. Pingback: Über den Wolken: Nextcloud baut die Dropbox für den Bund

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